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Der Osterleuchter ist mit einem vielfigurigen Gewoge von Menschen, Tieren, Gerätschaften und Symbolen überzogen, die ihn schwer und gedrungen erscheinen lassen. An seinem Fuß blicken nach den vier Himmelsrichtungen Frösche hervor, die das Erdgebundene und Trieb- hafte des Menschen symbolisieren. In der Zone darüber wird dieses Thema fortgeführt durch ein Gewühl von Menschenleibern, die sich in tierhafter Weise durch Schreien, Zerren und Beißen gegenseitig bekämpfen. Zwei streiten sich vehement um eine große Ohrmuschel, zwei andere werden in animalischer Lust voneinander angezogen, um sich in einem Kuss zu vereinen. Es ist die Welt des Triebhaften, in welcher der geflügelte Tod die selbst- zerstörerischen Folgen der unbeherrschten Triebe anzeigt. Dagegen vermag der Feuer- salamander anzudeuten, dass „der Gerechte keinen Schaden“ in dieser Triebwelt nimmt. Denn er gilt nach dem Physiologus, einer seit dem 4. Jahrhundert viel verbreiteten Natur- geschichte, als Bild desjenigen, „der das Feuer löscht, sobald er hineinkommt.“ Damit wird bildhaft der Leidenschaft die Beherrschung entgegengestellt.

In den Ansichten nackter Rücken werden Anklänge an Auguste Rodins Höllentor spürbar.
Aus der unteren Zone wachsen in spiralförmiger Bewegung Gruppenszenen von Verurteilten, Gefolterten und Erhängten samt ihren Schergen heraus. Die Gefesselten mit den Spitzhüten stellen Verurteilte der Inquisition dar, was zeigt, dass die zerstörerische Macht des Bösen selbst vor der Kirche nicht halt macht. Es handelt sich um Szenen des Bösen, das im Unterschied zu den vorherigen Darstellungen von anderen Menschen ausgeht und durch Arglist und Dummheit verschuldet wird. Das veranschaulichen auch die von Till Eulenspiegel an den Ohren gezogenen Esel.

Gleich über diesen Szenen gehen martialisch aufgereihte Schraubstöcke, Drosseln und Daumenzwingen aus dem Terrorarsenal früherer Jahrhunderte unmerklich über in Verbrennungsöfen, Galgen, gestapelte Leichen und einen Hinrichtungsstuhl aus der jüngeren Geschichte, auf die durch Hakenkreuz und Judenstern hingewiesen wird.
Am Ende des sich nach oben windenden, menschlichen Passionsweges steht das Leiden Christi. Eine Pietàfigur, begleitet von zwei verhüllten Gestalten, beugt sich über den toten Christus. Die Passionswerkzeuge, Geißelsäule, Leiter, Lanze, Nägel und Würfel, umschlossen vom Dornenkranz, erscheinen über der Pietàgruppe wie Siegtrophäen. Sie verbürgen bereits die Verklärung des Leidens in der Erhöhung Christi.

Seitlich davon weist der Tod als Knochenmann mit dem Stundenglas und eine michelangeleske Figur über einem Gräberfeld auf die Stunde des Todes hin, der jedem Menschenleben ein unwiderrufliches Ende setzt. Die Macht des Todes ist jedoch durch Christi Ostersieg schon gebrochen. Indem der Osterleuchter vor Augen führt, wie Menschen heute in besonderem Maße dem Laster, der Schuld, der Trauer und der Gewalt ausgesetzt sind und unter ihnen zu leiden haben, kann gleichzeitig die gläubige Hoffnung auf den auferstandenen Christus und die eschatologische Vollendung seines Ostersieges bestärkt werden.

Aus: W. Roemer, Bert Gerresheim. Retrospektive 1960-1995, Kevelaer: Butzon & Bercker 1995
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In beständiger Bronze sind die Laster und Leiden
die Schrecken und Schmerzen
der Menschheit festgehalten

Erdkröten grinsen aus dem Urgrund
Gierige verschlingen einander im Rausch
Irre erklären im Unsinn den Sinn
Folterer erfreuen sich am Geschrei ihrer Opfer
Skelette quellen aus den Verbrennungsöfen von Auschwitz
Der Tod hält unerbittlich sein Stundenglas empor
Dornenkranz, Säule, Leiter und Nägel
erinnern an das Opfer des EINEN

ER antwortet dieser dunklen Beständigkeit
mit SEINER Vergänglichkeit

ER erinnert im Zeichen einer Kerze Jahr für Jahr
an SEINEN Sieg über den Tod

ER verheißt in den verklingenden Worten des
ökumenischen "Exultet" über jedes
Osterfest hinaus Hoffnung

ER schenkt am Anfang und am Ende eines
Menschenlebens das Licht der
Zuversicht und des Trostes

ER verringert sich von Flamme zu Flamme -
und bleibt doch Anfang und Ende
in Zeit und Ewigkeit

Kurt-Peter Gertz, 09.03.2000

 


St. Jacobus der Ältere: ein kleiner Kirchenführer mit Bildern

Der Osterleuchter von Bert Gerresheim