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Der niedrige Block, der ihm als Sitz dient, weist an den Seiten verschiedene Reliefszenen auf: vorne im Medaillon die Kathedrale von Santiago de Compostela als Hauptort der Jakobus-Verehrung, seitlich und hinten die Legende des durch den Heiligen gewirkten Wunders in Santo Domingo de la Calzada: das heimliche Verstecken eines Kruges im Rucksack eines jungen Wallfahrers, der unschuldig zum Tod am Galgen verurteilt, durch den heiligen Jakobus gestützt und dadurch am Leben erhalten wird, und das Davonfliegen der gebratenen Hühner vom Tisch des Richters. [Mehr zu dieser sog. "Hühnerlegende" siehe hier!] Die fünf Muscheln unter dem Sitzblock nehmen Bezug auf die Stadt Santiago, die auf fünf Hügeln erbaut ist, während der Stern am Sockel auf die wunderbare Wiederauffindung der Jakobusreliquien im 9. Jahrhundert verweist. In dieser ikonographischen Aufmachung entspricht die Figur einem Typus, wie ihn schon das 1520 in Nürnberg erschienene Buch des Kung von Vach wiedergibt. Jedoch das Bildwerk von Bert Gerresheim geht darüber hinaus, indem es durch einen eigenwilligen, dynamischen Bewegungsstil geprägt ist: Die verschränkte Beinstellung der Sitzfigur, durch welche die beiden Füße nicht nebeneinander, sondern hintereinander aufgesetzt werden, führt zwischen den Knien zu einer diagonal verspannten, straffen Faltengebung, die zugleich Ausdruck eines impulsiven Temperamentes ist. Zusammen mit dem nach vorne geneigten Oberkörper bewirkt das bei der Figur, daß sie aus ihrer Ruhestellung in den Aufbruch übergeht. „Alles in ihr und an ihr drängt auf den Weg", sagt der Künstler selber. Auf diese Weise scheint der Heilige den Betrachter dazu auffordern zu wollen, in seiner Nachfolge immer wieder neu aufzubrechen auf dem Weg irdischen Pilgerdaseins.

Die Fotos vom Reliquiar machte Wilhelm Höffer.

Werner Roemer beschreibt das Werk so (Werner Roemer, Bert Gerresheim. Retrospektive 1960-1995, Kevelaer 1995):

Die Figur des Heiligen, der auch als Patron der Wallfahrer und Pilger verehrt wird, ist mit den traditionellen Pilgerattributen dargestellt: Im langen Pilgergewand sitzt er da, die Pelerine über der Schulter hängend, an der aufgeschlagenen Hutkrempe die Pilgermuschel, in der Rechten den Pilgerstab mit der Kürbisflasche, während sich seine Linke auf eine große Muschel stützt, in deren Schalenform die Reliquienkapsel befestigt ist, die ihn zu einem Reliquiar werden läßt.

(Mehr darüber, auch über die Frage der "Echtheit" dieser Reliquie, siehe hier!). Zur Aufbew-ahrung dieser Reliquie schuf Bert Gerresheim im Jahr 1990 dies Reliquiar. Zu besonderen Festen - zum Fest des hl. Jacobus am 25. Juli und natürlich zum Translatiofest am 7. November - wird es vor die Stufen des Altarraums gestellt.

Vorn rechts im Chor-raum, eingelassen in die Seitenwand, steht das Jacobusreliquiar: eine 50 cm hohe Bronzefigur, in der eine Reliquie des hl. Jacobus aufbewahrt wird.

An einer Stelle des Saockels befindet sich eine Inschrift, die auf die Entstehung des Reliquiars hinweist: "Translatio Neu- kirchen - Homberg - 7.11.1987": Am 7. November 1987 war es, als eine Gruppe von 30 Frauen und Männern gemeinsam mit dem damaligen Pfarrer Kurt-Peter Gertz in Greven- broich-Neukirchen ein kleines Stück- chen der Reliquie abholte, um sie nach Homberg zu über- führen: das war die "Translatio".

 

 

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St. Jacobus der Ältere: ein kleiner Kirchenführer mit Bildern

Das Jacobus-Reliquiar von Bert Gerresheim